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Anmerkung zu moderne Inquisition

Nun habe ich ihn gelesen, den Beitrag von Eberhard Paul, "Die moderne Inquisation". Darin kommt die Verwaltungsgerichtsbarkeit (Jurisdiktion) und die staatliche Verwaltung (Legislative) vor, die gemeinsam mit den Aufgabenträgern (Exekutive) so verhängnisvoll über die Bürger herfallen wie dazumal die (un-)heilige Inquisition. Trifft dieser Vergleich zu oder geht er da doch zu weit, der Eberhard Paul? Erinnern wir uns und nehmen wir das Geschichtsbuch zu Hilfe.

Die Inquisition war eine Gruppe von Männern (es waren nur Männer!) - vom kleinen Spion bis zum Würdenträger - die mit kirchlicher, weltlicher und juristischer Macht ausgerüstet waren, um "Andersgläubigen" (Ketzern) ihr Weltbild aufzuzwingen. Das nannten sie "reine Lehre" und die lautete: Die Erde ist der Mittelpunkt der Welt, alles, auch die Sonne dreht sich um sie. Wer es schon besser wußte, sich verteidigte, gar rechtfertigte, sogar mit Hinweis auf das (damals) höchste Gesetzbuch,das Buch der Bücher, die Bibel, und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die Lehren der Herren Kepler und Kopernikus, seine "Sünden" nicht bekannte und seinem "Irrglauben" nicht abschwor, der wurde geächtet, für vogelfrei erklärt und ermordet, vorzugsweise auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Angenehmer Nebeneffekt: Sein Vermögen fiel an die Kirche, genauer: die Inquisition.
Und nun vergleichen wir einmal: Die moderne Inquisition ist eine Gruppe von in erster Linie Männern (Frauen sind auch dabei), ausgerüstet mit staatlicher Macht aller drei Formen der sog. Gewaltenteilung, um den Bürgern ihren Willen aufzuzwingen. Der heißt: Anschluß- und Benutzungszwang. Das bedeutet: Der Bürger wird gezwungen, sich an die öffentliche Wasserversorgung und an die öffentliche Abwasserbeseitigung anzuschließen und er wird gezwungen, diese Einrichtung zu benutzen, jedenfalls aber dafür zu bezahlen, auch wenn er sie nicht nutzt. Die "reine Lehre" ist die Kanalisation mit der Achillesferse, dem Kanal, der das verschmutzt, was er doch schützen soll: Das Grundwasser. Die Betreiber der Anlagen wissen das! Trotzdem erzählen sie uns und schreiben es in ihre Satzungen: Der Kanal dient dem Allgemeinwohl und ist optimal im Sinne der Gesundheitsvorsorge. Er ist aber nichts anderes als Instrument zur "Verbesserung der Einnahmesituation". Die Satzung ist geltendes Recht. Wer sich dagegen wehrt, unter Hinweis auf höheres Recht - EU, Bundes- und Landesrecht - und auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse vom richtigen Umgang mit Wasser - der wird mit Kontensperrung, Zwangsanschluß, Zwangsvollstreckung und mit Grundbucheintragung (erste Stufe der Enteignung) bedroht. Mittel sind Anschlußaufforderungen, sofort vollziehbar, Anschlußkostenbescheide, Beitragsbescheide unter Versagung der Möglichkeit, sich "aufschiebend" zu wehren und Gebührenbescheide, auch ohne Leistung, sofort vollstreckbar. Die Parallelen zur "heiligen" Inquisition sind erschreckend!

Der Vergleich hinkt etwas, wie viele Vergleiche. Die Waffen sind nicht mehr glühende Zangen, Daumenschrauben und Streckbetten. Sie heißen heute Bescheid, Verfügung und Anordnung. Auch den Scheiterhaufen gibt es nicht mehr zur Durchsetzung der Enteignung. Heute wartet man und hofft, daß sich der "Delinquent", eingeschüchtert und verunsichert, "freiwillig" verschuldet oder sein Grundstück aufgibt. Das sieht demokratischer aus, wie überhaupt sich die moderne Inquisition gern den Anschein der Gesetzestreue und der Rechtsstaatlichkeit gibt. Das hat sie übrigens mit der heiligen Inquisition des Mittelalters, den Anwälten der "reinen Lehre", gemein.

Deshalb ist auch ein oft gehörter Begriff, der Begriff "Abwassermafia", nicht so treffend. Mafiosi sind Leute, die Gesetze ganz bewußt brechen. Sie rauben, morden und plündern, um sich auf Kosten anderer zu bereichern und zu herrschen. Sie versuchen nicht, sich dazu eine weiße Weste anzuziehen. In diesem Sinne sind sie "ehrliche" Verbrecher. Das sind die Damen und Herren der modernen Inquisition nicht.

Fazit:

Eberhard Paul hat Recht, der Vergleich ist gut, er trifft "den Nagel auf den Kopf"!
Die heilige Inquisition gab es 500 Jahre lang. Ihre "Blütezeit" war das Mittelalter. Die moderne Inquision blüht jetzt, sie treibt immer größere, stinkende Blüten, aber höchstens noch 20 Jahre lang, dann ist auch dieser Spuk vorbei! Diese Hoffnung habe ich. Sie wird sich aber nur erfüllen, wenn wir den modernen Inquisitoren mit aller Kraft in den Arm fallen. Dazu sind, wie im Kampf gegen die Inquisiton des Mittelalters, viel Sachverstand, Mut und Ausdauer erforderlich. Ich hoffe, daß die Bürgerinnen und Bürger zunehmend bereit sind, diese Eigenschaften zu entwickeln und zu investieren.

Autor: Johannes Madeja
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