Das Bußgeld und die Wasserhexe
Herr Plenz hat eine Frau, zwei Töchter und ein Grundstück mit einem Haus darauf, einem Garten drumherum und darin zwei Teiche. Dort leben Hund und Katze, die Fische im Teich und das Geflügel auf dem Teich. Alle haben es gut und fühlen sich wohl. Alle brauchen zum leben Wasser. Deshalb hat Herr Plenz auch eine Trinkwasserleitung. Das Wasser benutzen die Plenzes auf mannigfaltige Weise und ein wenig trinken sie auch davon - manchmal - denn es schmeckt ihnen nicht so sehr gut. Die Tiere und Pflanzen brauchen auch Wasser und die Pflanzen brauchen auch noch Nährstoffe. Die sind in dem Wasser enthalten, das Herr Plenz und seine Familie benutzt hat. Deshalb muß Frau Plenz für ihre Pflanzen keine Nährstoffe im Supermarkt kaufen. Den Pflanzen im Garten bekommt das Wasser gut, sie wachsen, blühen und gedeihen. Dem Wasser bekommen die Pflanzen auch gut. Sie reinigen es und das gereinigte Wasser schmeckt den Tieren besser als das Wasser aus der Leitung.
Nun glaubt jeder, daß Herr Plenz und seine Familie die glücklichsten Menschen der Welt sind. Das ist aber nicht so.
Auf dem Garten und dem Haus von Herrn Plenz lastet ein Fluch. Herr Plenz und seine Familie wurden verwünscht von einer bösen Hexe mit Namen Schei. Hexe Schei ist eine Wasserhexe. Sie hat viele Knechte, die den Auftrag haben, allen Bürgern des Dorfes Wasser zu liefern und - wenn die es wollen - gebrauchtes Wasser wieder abzunehmen, um es zu reinigen. Dafür haben sie im Dorf eine Wasserleitung gebaut und jetzt auch noch eine Abwasserleitung. Alle bezahlen für das Trinkwasser gutes Geld. Wer sein gebrauchtes Wasser den Knechten der Hexe Schei übergibt, der bezahlt auch dafür. Das finden alle gerecht.
Herr Plenz hat gelernt, daß man für Leistung bezahlen muß. Deshalb bezahlt auch er sein Trinkwasser, brav und pünktlich. Herr Plenz hat auch gelernt, daß man nichts bezahlen muß, wenn man keine Leistung in Anspruch nimmt und er tut das, was er gelernt hat. Ohne Leistung bezahlt er nichts. Er bezahlt also nichts für Abwasser, weil er das ja gar nicht hat. Das wäre ungerecht, sagt er.
Deshalb hat ihn Hexe Schei verflucht.
Sie, die ja eigentlich nur Dienerin der Menschen sein soll - so hat es der hohe Rat bestimmt - will nun auch noch Aufsichts- und Kontroll- und Genehmigungsbefugnisse haben, also Behörde sein und Herr Plenz soll büßen, daß er ihr nicht zu Willen ist.
Sie schickt ihre Knechte, um Familie Plenz zu kontrollieren, zu schikanieren und zu drangsalieren damit sie ihr Tribut zollen.
Frau Plenz kann aber keinen Groschen und erst recht keinen Taler entbehren, weil sonst ihr Mann und ihre Töchter Not leiden würden und darben müßten. Deshalb zahlt Herr Plenz den Tribut nicht und er läßt die Knechte, die ihm sein Wasser stehlen wollen, auch nicht in seinen Garten. Dafür sollte er ein Bußgeld bezahlen.
Darüber hat sich Herr Plenz beim hohen Gericht im Wasserhexenland Grafenwalde und Umgebung beschwert und das hohe Gericht hat nun einen Beschluß gefaßt.
Darin heißt es:
Das Gesetz, das die Hexe Schei selbst (ab-) geschrieben hat, gilt nicht. Herr Plenz muß die Knechte der Hexe Plenz, also die Wasserdiebe, nicht in seinen Garten lassen und er muß auch kein Bußgeld bezahlen.
Vielleicht hat ja die Hexe Schei den Beschluß des hohen Gerichts - er hat die Geschäftsnummer 3 Owi 234 Js-OWi 3766/06 (66/06) - verstanden und daraus gelernt und das gelernte im Rat der Hexen und Hexer in anderen Wasserbereichen weitergegeben, denn die Gesetze sind ja eine Erfindung dieses Rates. Vielleicht werden die schlechten Gesetze ja nun verbessert. Vielleicht muß aber erst noch ein höheres Gericht sagen, wie ein gutes Gesetz aussehen muß.
Autor: Johannes Madeja
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